Bäume zählen im Dienst der Forschung

Die Echinger Lohe war früher ein Eichenwald, der Baumrinde zum Gerben von Leder lieferte – eben die Gerberlohe. Mit Ende der wirtschaftlichen Nutzung blieb das Waldstück zwischen Eching und Neufahrn sich selbst überlassen. Die Veränderungen hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft über Jahrzehnte genau dokumentiert. Federführend ist heute Markus Blaschke, bei der Landesanstalt zuständig für sämtliche bayerische Naturwaldreservate. Bei einer Führung der Volkshochschule Neufahrn zeigt der Forschungsgruppenleiter eine sonst nicht zugängliche Versuchsfläche in der Echinger Lohe und erläutert die bisherigen Ergebnisse. Auf dem Weg kann die Gruppe zudem mit seinem Kollegen Thomas Kudernatsch seltene Frühjahrsblüher entdecken und viel darüber erfahren. In einem Gespräch hat Markus Blaschke vorab erklärt, was die Echinger Lohe so interessant macht.

Frage: Ist die Echinger Lohe im Landkreis Freising eine Besonderheit?

Antwort: Ja, weil es sich um einen nicht bewirtschafteten Wald handelt, in dem wir die natürliche Entwicklung verfolgen können. Ein solches Waldstück gibt es sonst nur noch bei Oberhummel an der Isar, aber dort haben wir kein vergleichbares Forschungsprojekt.

Frage: Was erforschen Sie genau?

Antwort: Wir untersuchen seit vierzig Jahren, welche Arten zu- oder abnehmen und in welcher Konkurrenz sie zueinander stehen – sozusagen exemplarisch für die Entwicklung in Bayern allgemein. Auf einer Fläche von 100 mal 100 Metern wird jeder einzelne Baum gezählt und über die Jahre beobachtet. Im Moment ist gerade wieder jemand vor Ort, um die Bedeutung des Eschentriebsterbens zu erfassen. Noch vor ein paar Jahren schien die Esche die Gewinnerin im Wettstreit zu sein, doch jetzt leidet sie stark unter dieser Krankheit.

Frage: Zu welchen Ergebnissen sind Sie außerdem gekommen?

Antwort: Die Eiche tut sich erstaunlich schwer, sich zu verjüngen, das heißt, in dem Bestand alter Bäume sind kaum neue hinzugekommen. Andere Arten wie der Ahorn oder eben die Esche konnten sich leichter behaupten.

Frage: Und Nadelbäume?

Antwort: Die können sich von Natur aus nicht durchsetzen, weil der Boden direkt auf dem Kiesschotter zu flach ist.

Frage: Gibt es weitere Forschungsschwerpunkte?

Antwort: Ja, wir beobachten auch permanent die Bodenvegetation. Hier haben wir massive Veränderungen durch den Stickstoff aus den Autoabgasen und der Landwirtschaft festgestellt, denn  stickstoffliebende Arten haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Frage: Bei der vhs-Führung werden auch viele Frühjahrsblüher zu sehen sein. Warum gibt es davon in der Echinger Lohe besonders viele?

Antwort: Das hängt mit dem Kalkgehalt im Boden und mit den Lichtverhältnissen zusammen. Anders als bei Nadelbäumen bietet ein Laubwald den Blümchen nach dem Winter noch genügend Licht zur Entwicklung der Blüten. So können in der Echinger Lohe ganz viele Frühjahrsblüher wachsen, etwa Buschwindröschen, Lerchensporn, die Hohe Schlüsselblume, Seidelbast und Aronstab. Überhaupt gibt es dort eine enorme Vielfalt der Vegetation. Über die Jahre haben wir insgesamt 23000 Datensätze von 147 verschiedenen Pflanzen gesammelt.

Frage: Lässt sich diese Vielfalt auch schon bei einem Spaziergang sehen?

Antwort: Ja, natürlich. Aber da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, muss man auf den Wegen bleiben. Es gibt einen langen Pfad und zwei Querwege. Bei unserer Führung werden wir ausnahmsweise diese Wege auch verlassen.

 

Alle Informationen zu unserer Führung finden Sie unter der Kursnummer MN1015.

Foto: Markus Blaschke